Das alte Flößerdorf Lechbruck im Allgäu hat zwar nur etwa 2500 Einwohner, aber einen Motorsportclub mit immerhin über 130 Mitgliedern. Also halfen 260 Hände mit, den über 70 Teilnehmern einen angenehmen Tag zu bereiten.

Vom Frühstück über Mittagsimbiss, Kaffee und Kuchen am Nachmittag bis zum Abendessen wurde alles in heimischen Töpfen und Backröhren gefertigt und von freundlichen Menschen serviert. Die als „sportlich“ angepriesene Fahrt, mit einer Länge von 190 Kilometern, und ausschließlich mit Lichtschranken-Sollzeitprüfungen gespickt, lockte uns mal wieder in unser geliebtes Bayern. Und nicht nur uns.

Diese in Süd-Deutschland sehr populäre Veranstaltungsart hat auch ihre eigene Meisterschaft, deren gesamte Elite am Start war, um noch fehlende Punkte einzufahren. Wenn wir beim Durchfahren der Lichtschranken von Sekunden oder Zehnteln Abweichung sprechen, so hört deren Sprachschatz bei mehr als Hundertsteln auf.


Die Besten von ihnen starten aber in der Klasse „Elektronik“, bei der alle Hilfsmittel erlaubt sind. Wir also wieder in der „Sanduhr-Klasse“, die mit 35 Teams die stärkste war.Obwohl am Start ein Torbogen, Bandenwerbung sowie ein Streckensprecher vorhanden waren, fand die Fahrt fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Hatte man zu wenig Werbung gemacht ? oder ist die Bevölkerung schon übersättigt ? Immerhin kamen uns an diesem Tag allein zwei weitere Oldtimer-Rallyes entgegen. Einzig die zahlreichen Kühe (ja, die netten braunen mit den weißen Ohren) schauten interessiert, was da an ihren saftig grünen Wiesen vorbei brauste. Und sie waren auch an mancher Slalom-Einlage schuld. Denn ihre „Hinterlassenschaft“ fand sich auf den kleinen Strassen genau so oft, wie hierzulande die Schlaglöcher. Und das Entfernen des dunkelgrünen Unterbodenschutzes vom Auto soll sehr mühsam sein, erklärte mir ein Vorjahresteilnehmer.

Dem Spaß und der Freude am Fahren tat dies aber keinen Abbruch. Eine herrliche Strecke mit traumhaften Ausblicken an etlichen Seen und Sehenswürdigkeiten vorbei, zum Teil über sonst gesperrte Strassen.

Selbst des König Ludwigs Märchenschloss, Neuschwanstein, tauchte zeitweise vor unserer Windschutzscheibe auf. Der Höhepunkt war die Durchquerung eines Golfplatzes auf einer Bergkuppe mit dem Panorama auf die Allgäuer Alpenkette.

Und dazwischen immer wieder diese unbestechlichen Lichtschranken. 30 Stück waren bis ins Ziel überquert. Alle Mühe hatten wir uns gegeben, die vorgeschriebenen Sollzeiten einzuhalten. Gespannt warteten wir auf das Ergebnis.

Doch für den überaus bemühten Veranstalter kam dann der GAU. Die gesamte Elektronik der Zeitnahme verweigerte die Mitarbeit.

Nach dem mehrfachen Versuch doch noch per Handauswertung ein Resultat zu erreichen, wurde um 22 Uhr das Handtuch geworfen und die Siegerehrung ausgesetzt.

Lediglich die 13 Teilnehmer der touristischen Variante kamen zu Ehren.

Nach 4 Tagen hatte sich der Zahlensalat scheinbar aufgelöst, und per Internet haben wir von unserem 4. Platz in der Klasse und dem 16. Platz im Gesamt erfahren. Stunden später wurde die Liste aber wieder vom Netz genommen.

Mit dem Hinweis alles noch mal neu berechnen zu müssen. 

Da dies bis jetzt noch nicht geschehen ist, endet dieses Spätsommermärchen für uns mit den Worten: 

  „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann rechnen sie noch heute“


Dieter Grunenberg


4. ADAC Ostallgäu Classic

18.09.2010