Der Belgier liebt Bier, Fritten und Rallye fahren, so sagt man. Also verwundert es nicht, dass der Start der diesjährigen 9. Eifel-Ardennen-Klassik, ausgerichtet von Raymond Braquet (St.Vith) in Zusammenarbeit mit dem Kgl. Auto-Moto-Club St.Vith, im Biermuseum an der Skihütte in Rodt bei St.Vith stattfand.

Mehrere tausend Bierflaschen und Krüge sind hier ausgestellt, und an die 15 verschiedene Biersorten gibt’s vom Fass. Zu den Fritten kommen wir später.Rallye fahren hat in Belgien noch einen anderen Stellenwert als bei uns zu Lande, selbst wenn es um klassische Autos geht.

Vom Ur Fiat 500 über getunte Citroen 2 CV bis hin zum echten Gruppe-B-Fahrzeug in Form eines Peugeot 205 Turbo 16V, war alles im 121 Teams starken Starterfeld vorhanden was jemals Rallyepfade besiedelt hat.

Aufgeteilt wurde die Teilnehmer in sportlich, touring und touristisch.

Wie in Belgien üblich, war von der Ausschreibung über Nennung, Fahrerbesprechung, Fahrtunterlagen bis hin zur Siegerehrung alles dreisprachig (französisch, flämisch, deutsch).

Hinzu kam noch etwas luxemburgisch, und so einigte man sich auf eine gemeinsame Sprache, nämlich : chinesisch, so nennen sich ja bekanntlich die kleinen Kreuzungszeichen die den Fahrtauftrag bildeten. 582 (!) Stück wies das Bordbuch davon bei der Touringklasse  auf. Handgemalt und unkilometriert sowie ohne weitere Orientierungshilfen. Letztere waren lediglich bei der Touristenklasse vorhanden, die aber ohnehin eine verkürzte Strecke fuhren.

Die „Sportler“ bekamen zusätzlich Kartenskizzen und durften nach Herzenslust „fransen“. Sie starteten auch schon am Samstagnachmittag zu einem 200 Km (!) langen Prolog mit anschließendem Abendessen (Fritten die erste). Sonntagmorgen ging es auch für die anderen bei enttäuschendem Regenwetter los.Gleich erstmal über einen sonst gesperrten, geteerten Waldlehrpfad, kilometerlang durch dunkle Wälder. 

Bei uns hätten die vereinzelt daherkommenden Wanderer wahrscheinlich ihre Wanderstöcke in Richtung Windschutzscheibe der röhrenden Boliden geschwungen, nicht so der Belgier. Der springt in den Graben und winkt freundlich. Und so ging die Strecke auch weiter.

95% der ca. 250 Km langen Tour führten über Strassen mit ca. 2 Meter Breite. Immer auf der Hut nicht aus dem (Chinesen) Tritt zu kommen, erreichte man die Mittagsrast in Schönberg (Fritten die zweite).

Die Nachmittagsetappe führte auch nach Deutschland ins Gebiet der Hocheifel, um dann zurück nach Rodt zu kehren. Als Kontrollen dienten Ortsschilder, Vorfahrtachtungszeichen, Stoppschilder, Baumaffen sowie Stempelkontrollen. Hatte man alles richtig gemacht, sollten 168 (!) Kontrollen auf den 4 Bordkarten stehen. Geschafft hat es keiner.

Nach einem gemeinsamen Abendessen (Fritten die dritte) wurde sehr zügig die Siegerehrung zelebriert. Jeder Geehrte in seiner Landessprache, versteht sich.

Da es, ausser bei den sportlichen, keine Sonderprüfung gab, teilten sich in der Touringklasse vier Teams, denen jeweils 1 Kontrolle fehlte, die Plätze 1 bis 4 ,sortiert nach dem Alter der Fahrzeuge. Danach weitere 6 Teams mit 2 fehlenden Kontrollen (zu denen wir auch zählten).

Knauseriger als mit Fritten war man allerdings mit Pokalen. Nur die besten drei Teams jeder Gruppe erhielten einen. Unsere hier übliche 30% Regelung ist bis ins Königreich noch nicht vorgedrungen.

Wie zum Hohn grinste dann am Abend die Sonne am Himmel, nachdem es den ganzen Tag zum Teil heftig geregnet hatte und sich die Autos, den kleinen Waldwegen sei Dank, rallyemässig mit Dreck besudelt hatten.

  

Fazit : eine durch aus gelungene Veranstaltung bei der der Fahrspaß im Vordergrund steht.

Aber nichts für jemanden der nur „Cruisen“ möchte und keine Schlammbröckchen am Auto mag.

Dieter Grunenberg 


9. Eifel-Ardennen Klassik

02.08.2009